Nun bin ich schon 6 Wochen unterwegs, und es wird Zeit, endlich einmal etwas in meinen Blog zu schreiben. Aber die ersten 5600 km und durchquerten 4 Länder haben mich schon in Anspruch genommen, so dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin.

Vorbemerkung:

Warum fährt einer mit 68 Jahren längs durch Afrika, dazu noch mit einem 8,5 t schweren LKW, wo man doch in diesem Alter wahrscheinlich besser im häuslichen Sessel sitzen, die Beine hochlegen und das Rentendasein genießen sollte? ;-)

Nun, die Idee kam 2012, als meine Frau Birgit und ich während unserer dritten Reise durch´s südliche Afrika mit einem geliehenen Pick-up in Dachzelten auf dem Eureka-Campingplatz am Rande der zambischen Hauptstadt Lusaka übernachteten. Hier nächtigten viele sogenannte Overlander, Leute, die auf verschiedenen Routen durch Afrika reisen. Ich erwartete blasse, ausgemergelte Gestalten, die gerade mal mit dem Leben davongekommen waren. Hingegen trafen wir zum Beispiel ein junges holländisches Paar, das braungebrannt und völlig relaxt vor seinem Land Rover saß und immerhin schon die Strecke von Amsterdam bis hierhin geschafft hatte, der Rest bis Kapstadt, den wir ja bereits kannten, durfte bei den touristischen Strukturen im südlichen Afrika kein Problem mehr sein.

Warum nun mit LKW und nicht einem schönen Land Rover? Das basiert auf einem Erlebnis in Botswana. Wir standen mit unseren Dachzelten auf einem Campingplatz entlang des Linyanti Grenzflusses zwischen Namibia und Botswana. Botswanische Zeltplätze haben zwar nur 10 bis 12 Stellplätze, diese sind aber von der Größe eines Fußballfeldes, so dass man den Nachbarn nicht sieht. Wir standen auf Platz 1, die Toilette befand sich hinter Platz 10, und wir waren schon gewarnt worden, nicht in der Dämmerung draußen zu bleiben wegen der in dieser Gegend lebenden Löwen, Leoparden und Hyänen. Aber die massive Durchfallerkrankung unseres Sohnes ließ sich nun mal nicht hinter dem nächsten Busch erledigen, so dass Lukas und ich in der Dämmerung mit Taschenlampen die relativ lange Strecke unterwegs waren. Plötzlich sichteten wir im Lichtschein fünf Augenpaare, und uns rutschte das Herz in die Hose. Mit der stärkeren zweiten Lampe geleuchtet sahen wir fünf etwa Hunde-große Duker Antilopen, der Pulsschlag konnte wieder sinken. Schließlich stand ich mit Lampe und Fahrtenmesser bewaffnet vor der Toilette, um im schlimmsten Fall meinen Sohn zu verteidigen. Es wäre mit Sicherheit eine selbstmörderische Aktion gewesen. Heil im Zelt zurück war klar, wenn wir durch Afrika fahren, dann nur mit Innen-Toilette.

Zurückgekehrt nach Deutschland machten wir uns auf die Suche, fuhren zu Messen und Firmen-Ausstellungen, aber – einmal abgesehen von den astronomischen Preisen für Allrad-Wohnmobile mit Afrika-tauglicher Ausstattung – fanden wir nichts, was uns zugesagt hätte. Bis wir die Annonce unseres heutigen Freundes Thomas Zehe über sein „Tesomobil“ fanden, versehen mit Fotos eines Mercedes 1017A, ehemaliger Bundeswehrlaster Baujahr 1987, der von Thomas und seinem Bruder für eine Transamerika-Reise von Alaska nach Feuerland in ein Wohnmobil umgebaut worden war.



Auf ging es also in die Nähe von Frankfurt, Probefahrt auf einem zugeschneiten und vereisten Campingplatz (Allrad-Test bestanden ;-), und wir (mindestens ich) waren begeistert, so dass der Wagen 2013 gekauft wurde. Wie wir nach 10 Jahren und etlichen Reisen (Pyrenäen, Island, Namibia, Botswana, Zimbabwe, Südafrika, Lesotho, Eswatini) inzwischen gut beurteilen können: ein absolut geeignetes Basis-Fahrzeug ohne Elektronik und in Afrika häufig zu finden, sodass man allen möglichen Diesel tanken kann (Euro 5 oder 6 Motoren möchte ich wahrlich nicht empfehlen), Reparaturen entweder selber hinkriegt oder Hilfe findet. Beispielsweise waren voriges Jahr die vorderen Bremszylinder korrodiert, was wir trotz etlicher mitgeführter Ersatzteile nicht selber reparieren konnten. Durch einen glücklichen Tipp (in Afrika immer empfehlenswert, mal jemanden zu fragen) fanden wir in Windhoek Mast´s Garage der sehr netten deutschsprachigen Inhaber Wilko und Dieter, die uns ruckzuck helfen konnten.



Der Wagen wurde dann ein Super-Wohnmobil-Umbau, Thomas hatte wirklich an alles gedacht, bis heute konnte ich nur einen Kritikpunkt finden: der Hahn zum Ablassen des Toilettentanks ist so angebracht, dass man sich geradezu akrobatisch forthechten muss, um saubere Schuhe zu behalten ;-), darüber haben Thomas und ich schon gemeinsam gelacht, da auch seine Schuhe immer in Gefahr waren.

Ach ja, ein weiterer Punkt: warum haben wir den Wagen 10 Jahre vor der jetzigen Tour gekauft? Es war mir nicht nur wichtig, Reise-Erfahrungen in „sicheren“ Gefilden wie Island zu sammeln, sondern vor allem Wartungs- und Reparatur-Kenntnisse zu erwerben, um im Fall des Falles möglichst viel selber machen zu können. Hier schulde ich Herrn Erwentraut, Inhaber der Mercedes-LKW-Werkstatt in Hemer großen Dank, der mir nicht nur stets mit Rat und Tat zur Seite stand, sondern mich auch bei allen über die Jahre anfallenden Arbeiten mitmachen ließ, damit ich Erfahrungen sammeln konnte.

Wermutstropfen Anfang 2013: der Wagen war nicht auf 7,5 Tonnen ablastbar, was eigentlich von Thomas geplant war. Birgit und ich hatten ja noch den alten Führerschein Klasse 3 (Fahrerlaubnis bis 7,5 Tonnen). Also nahmen wir beide Fahrstunden auf einem 18-Tonnen-MAN und kurvten durch die Gassen Iserlohns (die Mortalität soll in dem Monat in der Stadt nicht höher als normal gewesen sein). Am ersten Tag mit frisch erworbenem Führerschein Klasse C (LKW ohne Anhänger) schneite es, und ich durfte gleich auf meiner ersten Fahrt die Qualitäten eines Allrad-LKW´s testen.

Da wir unsere Transafrika-Tour von Kapstadt nordwärts nach Hause machen wollen, musste der Wagen verschifft werden. Da er nicht in einen Container passt, erfolgte das mit Hilfe einer Spedition im sogenannten Ro-Ro-Verfahren (Roll on roll off) von Antwerpen nach Walfish Bay, dem namibischen Hafen, mit ca. 5500 € nicht ganz billig, aber wirklich top organisiert. Die Verschiffungsdauer betrug etwa 2 Monate, da das Frachtschiff wohl alle möglichen westafrikanischen Häfen angelaufen ist. Anfang September, wir waren gerade auf einer Radtour von Dresden nach Prag, erhielt ich in der tschechischen Einsamkeit einen Anruf von Eddi, dem Inhaber der namibischen Partner-Spedition. Ich dachte „Hurra, der Wagen ist angekommen!“ Was auch stimmte, allerdings bemerkte Eddi, dass der Wagen auf dem Schiff nicht angesprungen war, sie ihn aber mit Kabel starten konnten. Okay, wahrscheinlich war auf dem Schiff ein Licht an geblieben und die Batterien deswegen leer. Telefonat Ende. Kurze Zeit später klingelte es erneut. Eddi berichtete, die Hydraulikleitung der Kupplung sei beim Fahren vom Schiff geplatzt. Okay, dann muss ich nach Ankunft sehen, eine Werkstatt zu finden. Telefonat Ende. Gleich später wieder ein Klingeln. Eddi meinte, er hätte noch was vergessen. Das Hydraulik-Öl sei auf den heißen Auspuffkrümmer getropft und hätte sich entzündet. Sie hätten erst keinen Feuerlöscher gehabt, sich aber mit Sand beholfen. Puh, dachte ich. Wahrscheinlich wollte mir Eddi schrittweise und schonend eine Katastrophe beibringen. Bei der Reise nach Namibia kurze Zeit später war ich seelisch auf alles gefasst: ein Wrack, dass wir nur noch entsorgen können.  

Große Erleichterung, als wir die Halle am Hafen betraten: von außen war dem Wagen gar nichts anzusehen, und bei abgeklappter Fahrerkabine waren die Schäden im Motorraum überschaubar und in einer Hinterhofwerkstatt in Walfish Bay gut und schnell zu beheben.


 Als Birgit ein paar Fotos der Situation postete, kriegte sie prompt die Frage, wo wir denn Urlaub machen würden?!

Nun aber genug der Vorrede, im nächsten Bericht geht´s dann in Windhoek los (bis Kapstadt sind wir letztes Jahr gefahren, das wollten wir jetzt nicht wiederholen).







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